Gottes Liebe feiern ...

Hier finden Sie einige Predigten zu aktuellen Themen und Anlässen:

- Predigt vom Schatz in der Kirche (Joh.6)

- Predigt zum Brunnenfest: "...wenn die Flasche des Wasser des Lebens leer ist ..." (2. Mose 17)


- "Hat Kirche im Jahre 2025 noch Zukunft? oder was die Architektur der Harpertshäuser Kirche uns zusagen hat." Kirchfestpredigt 2006

- "Mach ihn rein!" - Konfi-Einführungspredigt über die Fußball-WM und die  Konfi-Zeit (2. Juli 2006)

- Konfirmationspredigt 2006 "Glaube wie die Rose von Jericho"

- Jubiläumsfestpredigt: "Von den Pfeifen im Kirchenvorstand und in der Gemeinde und von den Orgelpfeifen" (12. September 2004)
- Konfirmationspredigt 2004 (16./ 31. Mai 2004)
- Thema "Sterbehilfe - die Würde des Menschen im Alter"

 Predigt vom Schatz in der Kirche (Joh.6)

Liebe Gemeinde,
am letzten Donnerstag war es mal wieder so weit. Wir haben Kindergeburtstag gefeiert. „Papa, machst du wieder eine Schatzsuche? Bitte!“ „Ja, ich mache wieder eine Schatzsuche.“ Die Kinder suchten begeistert. Sie stiegen diesmal hinauf zu den Glocken. Sie staunten über die vielen Pfeifen in der Orgel. Überall gab es ein paar Buchstaben für das Lösungswort zu sammeln. Schließlich bekamen sie es heraus und fanden den Schatz im Altarraum. Wer vermutet schon einen Schatz beim Altar!

Ich möchte heute Morgen auch mit Ihnen einen Schatz entdecken. Bei unserem Schatz es ist ein bisschen wie hier mit diesem Stein (Druse). Der sieht eigentlich ganz alltäglich aus. „Das ist doch ein ganz gewöhnlicher Stein“, könnte manch einer meinen. Aber im Inneren ist er doch wunderschön. Die unscheinbare Schale birgt doch einen wertvollen Schatz.

Liebe Gemeinde, das ist auch bei unserem Schatz so. Der wirkt äußerlich ganz gewöhnlich. Unseren Schatz finden Sie auch auf dem Altar. Äußerlich scheint es normales Brot zu sein, Wein wie man ihn beim Weinhändler oder im Supermarkt kaufen kann. Wieso soll das ein Schatz sein?

In unserer Gemeinde wollen wir bald die Abendmahlspraxis dahin ändern,  dass auch die Kinder zum Abendmahl eingeladen werden. Darum will ich das Thema in der einen oder anderen Predigt aufgreifen. Lassen Sie uns den Schatz des Abendmahles mit seinen verschiedenen Aspekten entdecken.

Liebe Gemeinde,
im Abendmahl bekommen wir einen Schatz: Es ist zwar einfaches Brot  und doch kann es uns zum Himmelsbrot werden. Es wird zum Brot, das aus dem Himmel kommt. Wie das? Fragen Sie mit Recht. Wer mich gestern beobachtet hat, der hat gesehen, wie ich das Brot gekauft und geschnitten habe. Wie komme ich also dazu es „Himmelsbrot“ zu nennen? Liebe Gemeinde, das war nicht meine Idee. Das war auch nicht eine Erfindung der Kirche. Das mit dem Abendmahl war Jesu Erfindung. Jesus hat das Abendmahl gestiftet. Damals am Tage vor seinem Tode hat es zum Ersten Mal mit seinen Jüngern gefeiert. Er hat damals den Jüngern das Brot gegeben und gesagt: „Diese Brot ist mein Leib.“ Ein Jahr zuvor hat er das schon verheißen. Davon redet der heutige Predigttext:

Evangelium des Johannes, Kap. 6, Verse 47-56
Jesus sprach: Wahrlich, wahrlich ist sage euch:
Wer glaubt, der hat das ewige Leben.
Ich bin das Brot des Lebens.

Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen
und sind gestorben.
Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt,
damit, wer davon ist, nicht sterbe.
Ich bin das lebendige Brot,
das vom Himmel gekommen ist.
Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.
Und dieses Brot ist mein Fleisch,
das ich geben werde für das Leben der Welt.

Da stritten die Juden untereinander und sagten:
Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben?
Jesus sprach zu ihnen:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch:
Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt,
so habt ihr kein Leben in euch.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben,
und ich werde ihn am Jüngsten Tag auferwecken.
Denn mein Fleisch ist die wahre Speise,
und mein Blut ist der wahre Trank.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt,
der bleibt in mir und ich in ihm.

1. Also: Jesus ist das Himmelsbrot.
Das Brot, das vom Himmel kommt, sagt Jesus. Er erinnert an die Geschichte vom Manna. Das hatte Gott dem Volk in der Wüste geschenkt. Es kam quasi vom Himmel. Aber, so sagt Jesus, die Menschen sind doch gestorben. Die Vergänglichkeit bekamen sie doch zu spüren.

Auch wir erfahren immer wieder, wie zerbrechlich, wie vergänglich das Leben ist. Wie schnell kann es von Krankheit zerstört werden! Selbst junges Leben kann von heute auf morgen vergehen. Jesus sagt: Wer vom Brot des Lebens isst, der hat das Ewige Leben. Das Brot des Lebens ist Jesus selbst. Bei Jesus gibt es Leben, ewiges Leben.

Freilich ist es so, wie bei Jesus selbst. Und so wie beim Brot selbst. Das muss auch die Hitze des Backofens erleiden, quasi sterben, um dann als frisches Brot auf den Tisch zu kommen. Auch Jesus muss sterben und dann auferstehen.
So geht es auch uns. Wir alle müssen einmal sterben, aber dann geht es nicht immer weiter im Kreis der Wiedergeburt. Dann sollen wir auferstehen. Das hat Jesus mit seinem Leben, mit seinem Sterben und Auferstehen verbürgt.

Diese Kraft der Auferstehung hat Jesus nur, wenn es stimmt was er sagt: Ich bin das Brot, das vom Himmel kommt. Er ist der, der vom Himmel, der aus dem immel kommt.  Er ist der Sohn Gottes – nicht nur ein guter Mensch, sondern der, der aus dem Himmel kommt. Jesus ist das Himmelbrot.

Jesus ist gekommen, um uns Kraft und Leben zu geben. Das spüren wir gerade in schweren Stunden. Aber auch in guten Zeiten können wir wissen: Jesus will das Leben. Er ist das Leben. Er schenkt das Leben, das zum Beispiel ein junges Paar mit ihrem Kind in den Händen hält.

2. Jesus gibt uns das Brot des Himmels.
Im Abendmahl gibt er dieses Himmelsbrot. Darum ist das Abendmahl etwas Besonderes. Brot steht für Leben. Es ist ein Grundnahrungsmittel. Mit der Bitte um das tägliche Brot bitten wir um alles, was wir zum Leben brauchen. Brot steht für das Leben schlechthin.

Im Abendmahl nun bekommen wir das Brot des Himmels. Himmlisches Brot. Brot, das nicht nur den Magen satt macht, sondern auch das Herz. Brot, das uns das ewige Leben bringt. Leben mit Gott. Das Abendmahl bringt uns Jesus, der das lebendige Brot ist. Darum ist das Abendmahl auch die Speise zur Auferstehung.
Wenn wir Abendmahl feiern, dann bekommen wir Stärkung zur Auferstehung. So gewiss wir Brot und Wein zu uns nehmen, so gewiss sollen wir an der Auferstehung teilhaben. Wir spüren und schmecken schon etwas von der Auferstehung. Diese Auferstehung ist nicht nur eine Auferstehung in Gedanken; nicht nur eine Auferstehung oder ein Fortleben der Seele. Das zeichnet gerade das Abendmahl aus, dass nicht nur über Jesus geredet wird, sondern dass wir leibhaftig etwas bekommen.
Diese Speise soll uns darum auch stärken zur Auferstehung des Leibes. Gott hat das Himmelsbrot, Jesus, leibhaftig Menschen werden lassen. Er hat seinen Leib in den Tod gegeben und ist leibhaftig auferstanden. Darum soll auch unser Leib auferstehen. Im Abendmahl feiern und verkünden wir, dass unsere Verstorben nicht im Grabe bleiben, sondern auferstehen sollen. Wir feiern die Auferstehung. Wir feiern Jesu Sieg über den Tod. Und das Beste ist: Wir bekommen Anteil an dem Sieg. Wir bekommen das Leben.

Nun kann ich Ihnen eins vorschwärmen, wie gut das Brot schmeckt; ich kann Ihnen etwas erzählen, von welchem Bäcker es ist, welche wertvollen Körner darin sind. Das könnte ich Ihnen alles erzählen- aber es würde Ihnen nichts nützen. Es nützt ihnen nichts, wenn sie um ein tolles Brot wissen, wenn sie es betrachten, wenn sie das Rezept kennen, oder wenn sie wissen, wo sie es bekommen können. Davon werden Sie aber nicht satt. Satt wird man nur, wenn man davon ist. Liebe Gemeinde, das ist mit Jesus auch so. Darum:

3. Das Himmelsbrot will gegessen werden.

Es ist nützt nichts, von Jesus nur zu wissen. Es nützt nichts, Jesus für einen guten Menschen, ja für Gottes Sohn zu halten. Es nützt nichts, nach Jesu Gebot der Liebe zu leben.

Satt wird man nur, wenn man isst. Das Brot-Essen macht deutlich, worum es auch beim Glauben geht. Wenn ich etwas esse, dann zerkaue ich es und schlucke es, so dass ich es innerlich aufnehme, und es mich kräftigt und stärkt.
Liebe Gemeinde, genau das muss auch mit dem Himmelsbrot geschehen.

Im Abendmahl nehme ich das Brot zu mir, schlucke es, verinnerliche es. Auch Jesus will gekaut – mit ihm will sich beschäftigt werden. Das ist manchmal mühsam; manches ist schwer zu glauben. Nahrhaftes Brot, Schwarzbrot muss ich kauen, damit es mich nährt. Dass Jesus für uns gestorben ist, das ist nicht einfach zu glauben, denn die Auferstehung eines Toten deckt sich nicht mit unserer täglichen Erfahrung. Zu Glauben ist mühsam. Und dennoch nährt und stärkt gerade dies uns. Auch Jesus müssen wir innerlich aufnehmen. Jesus will in unser Herz aufgenommen werden. Das ist der Glaube. Auf ihn kommt es an!
Wer an Jesus glaubt, der hat das ewige Leben. Allein im Glauben begreifen, ergreifen und nehmen es auf, was beim Abendmahl geschieht.

Ein Kind war einmal beim Abendmahl. Da sagte der Pfarrer zu ihr: Im Brot kommt Jesus zu dir. Das merkte sich das Mädchen und ging ganz fröhlich nach Hause. Zu Hause wurde sie gefragt, warum sie so froh ist. Da sagte sie: „Ich habe jetzt Jesus im Herzen. Er ist in mir.“ Das Kind hat verstanden, was mein Abendmahl geschieht. Jesus kommt in Brot und Wein zu uns. Und will in unsere Herzen kommen. Er will aufgenommen werden.

Liebe Gemeinde,
entdecken wir den Schatz des Altars:
1. Jesus ist das Brot des Lebens.
2. Er gibt uns das Brot des Lebens.
3. Essen wir es auch.

(17. August 2008, Altheim/ Harpertshausen, Pfr. Ulrich Möbus)

Predigt über 2. Mose 17,1-7 zum Brunnenfest 2008

Pfr. Ulrich Möbus
Predigttext: 2. Mose 17,1-7
Und die ganze Gemeinde der Israeliten zog aus der Wüste Sin weiter ihre Tagesreisen, wie ihnen der Herr befahl, und sie lagerten sich in Refidim.
Da hatte das Volk kein Wasser zu trinken.
Und sie haderten mit Mose und sprachen: Gib uns Wasser, dass wir trinken?

Mose sprach zu ihnen: Was hadert ihr mit mir?
Warum versucht ihr den Herrn?

Als aber das Volk nach Wasser dürstete, murrten sie wider Mose und sprachen: Warum hast du uns aus Ägypten ziehen lassen,
dass du uns, unsere Kinder und unser Vieh vor Durst sterben lässt?

Mose schrie zum Herrn und sprach: Was soll ich mit dem Volk tun?
Es fehlt nicht viel, so werden sie mich noch steinigen.

Der Herr sprach zu ihm:
Tritt vor das Volk und nimm einige Älteste Israels mit dir
und nimm deinen Stab in deine Hand, mit dem du den Nil schlugst,
und geh hin.
Siehe, ich will dort vor dir stehen auf dem Fels am Horeb.
Da sollst du an den Fels schlagen, so wird Wasser herauslaufen,
dass das Volk trinke.
Und Mose tat so vor den Augen der Ältesten von Israel.

Da nannte er den Ort Massa und Meriba,
weil die Israeliten dort gehadert hatten und gesagt hatten:
Ist der Herr unter uns oder nicht?


Liebe Gemeinde,
da war das Volk Israel über Jahre und Jahrzehnte in ägyptischer Knechtschaft. Ganze Generationen waren von den Ägyptern unterdrückt und versklavt worden. Und dann sandte Gott seinen Mose, seinen Retter. Mit zehn Plagen setzte er dem Pharao und dessen Volk zu. Einmal zum Beispiel schlug Mose mit seinem Stab auf das Wasser, da wurde das Wasser des Nils zu Blut. Nach der zehnten Plage durfte das Volk endlich ziehen. Es war frei. Kaum war es aufgebrochen, da schickte aber der Pharao seine Soldaten hinterher. Mit schnellen Streitwagen kamen sie und trieben das Volk in die Enge. Rechts und links Berge, vor ihnen das Schilfmeer. Das Volk jammerte schon: „Wären wir doch in Ägypten geblieben; jetzt müssen wir alle sterben.“ Da gebietet Gott dem Mose, den Stab über das Wasser zu halten. Und dann geschieht das Wunder: Das Wasser teilt. Die Israeliten können hindurch ziehen. Aber die ägyptischen Wagen schaffen es nicht. So rettet Gott sein Volk. Er führt sein Volk durch die Wüste. Gott versorgt es mit Nahrung, mit dem legendären Manna. Auf Gottes Essensplan steht Fleisch selbst in der Wüste: Gott schickt die taubenähnlichen Wachteln. Gott versorgt sein Volk. Nach einiger Zeit in der Wüste gerät das Volk erneut in Not. Die Wasservorräte gehen aus. Um sie herum: Wüste, nichts als Wüste. Kein Fluß, keine Oase, keine Quelle in Sicht. Ihre Vorräte an Wasser gehen aus. Die Trinkflaschen sind leer.

Liebe Gemeinde,
solche Situationen gibt es auch bei uns: Dass uns die Vorräte an Lebenswasser ausgehen. Auch wir können in Dürrezeiten kommen. Auch bei uns gibt es Zeiten, die gleichen eher der Wüste. Auch wir erleben Krisenzeiten. Wüstenzeiten – das sind Zeiten, in denen wir im Beruf oder anderswo viel zu tun haben. In denen wir kaum noch Kraft haben, kaum noch Freude erleben. Da sind wir ausgezehrt und ausgelaugt. So manche Krankheit verbraucht als Lebenskraft und Lebensmut. Irgendwann haben wir keine Freude, keine Kraft mehr. Auch Streit und Zwistigkeiten verbrauchen unsere Lebensenergie. Unsere Flasche mit dem Wasser des Lebens ist leer. Ich will darum direkt fragen: Wie sieht es bei dir aus? Ist deine Wasserflasche des Lebens voll?
Wirklich voll? Voll mit Leben, mit heilem Leben. Voll mit ewigem Leben?

Ich will ihnen heute nicht irgendein Heilwasser anbieten. Sondern heute gibt es das Wasser eines heilen Lebens. Eines Lebens, das im Reinen ist mit sich selbst, das im Reinen ist mit seinen Mitmenschen - und dazu zählen zuerst die Menschen, die uns am Nächsten stehen. Und Leben, das im Reinen ist mit Gott.
Die Bibel nennt dies ewiges Leben. Wie sieht es da mit deiner Wasserflasche aus?

Wenn wir mit unseren Kräften am Ende sind, dann werden wir oft unleidlich. Bei unseren Kindern erlebe ich das oft. Wenn sie abends nicht mehr können, dann wird es unerquicklich. Das war auch bei den Israeliten so. Immer wieder, wenn ihnen etwas fehlt, werden sie unleidlich. Dann beginnen sie mit Mose und mit Gott zu hadern: „Warum hast du uns aus Ägypten geführt? Auch wären wir doch dort geblieben? Was ging es uns doch so gut in Ägypten!“ Die Vergangenheit wird auf einmal verklärt. „Ja, früher da war alles besser.“ Das höre ich manchmal auch bei uns. Was ist hier geschehen?

Das Volk Israel sah nur noch seinen Mangel. Es wurde unzufrieden. Es vergisst das Gute, das es schon erlebt hat. Und so verliert es auch das Vertrauen zu Gott. Es vertraut nicht mehr darauf: Dass der, dessen Hilfe es schon so oft erfahren hat, auch jetzt helfen kann.

Liebe Gemeinde, in der langen Geschichte der Befreiung Israels fasziniert mich eins immer ganz besonders: Obwohl das Volk immer wieder murrt und mit Gott hadert, Gott sagt nie: Jetzt reicht´s mir. Sondern Gott lässt sich immer wieder auf dieses Volk ein. So auch jetzt: Gott sagt zu Mose: Nimm, deinen Stab.
Mit dem Stab haben Mose und das Volk schon viel erlebt. Bei der ersten Plage wird das Wasser in Blut verwandelt. Später: Die Teilung der Wasser am Schilfmeer. Der Stock des Mose erinnert daran.

Auch bei uns gibt es solche Stöcke. Ich habe mir einen Wanderstock ausgeliehen. Dieser Stock hat schon viele „Plaketten“ oder Stocknägel, wie die offizielle Bezeichnung ist. Jede Plakette erinnert an ein besonderes Ereignis.
Oft ist mit so einem Stocknagel eine Geschichte verbunden, meistens eine, die ein gutes Ende hat. Da wurde eine Hütte erwandert. Oder ein Gipfel erklettert.

Liebe Gemeinde, eigentlich müsste jeder von uns so einen Stock mit Plaketten haben! Auch in Ihrem Leben gibt es Geschichten, die gut ausgegangen sind. Auch Sie haben es schon erlebt, dass Sie im Urlaub vor Schaden bewahrt worden sind. Sie haben Krisen erlebt und sind hindurch gekommen. Da wurden sie von einer Krankheit heimgesucht, aber sie sind auch wieder genesen. Sie haben erlebt, dass ein Vorhaben gelingt. Und sie haben in ihrem Leben erfahren, dass ihnen etwas zufällt. Manchmal bekommt man auch etwas geschenkt. Ja, das Leben an sich schon ist ein Geschenk. Auch in ihrem Leben gibt es Geschichten, in denen Sie erlebt haben, dass am Ende alles gut geworden ist.

Auch Ihr Wanderstock kann Plaketten mit guten Geschichten tragen. Holen Sie doch in Gedanken diesen Stock immer wieder heraus. Holen Sie in Krisenzeiten die guten Erfahrungen mit Gott heraus und stützen sich darauf. Auf Gott ist Verlass.

Das hat auch das Volk Israel erfahren: Auf Gott ist Verlass. Auf Gott kann man sich verlassen. In der Wüste war es damals so, dass Gott zu Mose sagte: „Nimm deinen Stock und schlag damit auf den Felsen, so wird Wasser aus ihm fließen.“

Eigentlich eine unmögliche Sache: Auf einen Stein schlagen und dann kommt Wasser raus. Selbst wenn man einen Stein auspressen würde, es käme keine Wasser heraus. Das ist unmöglich – bei Menschen. Es gibt ein schönes Bibelwort. Eine Konfirmandin hat es sich in diesem Jahr für die Konfirmation ausgewählt. Diese Wort soll sie durch ihr Leben begleiten. „Was bei Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“

Diese Erfahrung können wir machen. Bei Mose war es so: Er schlägt auf den Stein, da sprudelt Wasser hervor. Ja, Wunder geschehen. Liebe Festgemeinde, es gibt in der Geschichte der Bibel noch einmal einen ähnlichen Felsen. Auf den ersten Blick steht er nur für einen sinnlosen Tod. Aber dann kommt aus diesem Felsen das Wasser des Lebens heraus. Ich meine den Felsen, den Hügel, auf dem Jesus gekreuzigt wurde. Zuerst erscheint dieser Tod grausam und sinnlos. Aber dann geschieht das Wunder: Aus dem Grab steht Jesus auf.
Bei Menschen unmöglich, aber nicht für Gott. Der Fels vor dem Grab ist am Ostermorgen weggerollt. Jesus ist auferstanden. Das Leben hat gesiegt. Seitdem steht der Fels von Golgatha für das Leben. Seitdem fließt von ihm aus das Wasser des Lebens. Bei Jesus gibt es heiles Leben. Leben, das im Reinen ist mit Gott. Leben, das im Reinen ist mit sich selbst. Leben, das in Ordnung ist mit seinem Mitmenschen. Denn dieses Leben ist bestimmt von dem, der immer wieder Geduld mit seinem Volk hat. Immer wieder hat Gott Geschichte mit diesem murrenden und unzufriedenen Volk gemacht. Gott hat eine großes Herz für dieses Volk. Das ist bis heute noch so: Gott hat ein großes Herz für schwache Menschen. Gott ist barmherzig mit denen, die Fehler machen, die schuldig werden. Von dieser Barmherzigkeit können auch wir etwas bekommen.
Das füllt die Flasche unseres Lebensdurstes. Bei Jesus bekommen wir sie gefüllt, und unseren Durst gestillt.

Von dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus her quillt das Wasser des Lebens bis zu uns. Es fließt bis hinein in unsere Dürrezeiten. Auch in den Wüstenzeiten kann uns der Strom des Lebenswassers erreichen. Wenn ich keine Kraft mehr habe, dann tröstet mich, dass bei Gott gerade solche schwachen und ausgelaugten Leute willkommen sind. Jesus sagt einmal: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“
Bei Gott bin ich willkommen. Er will mich stärken. Er will durchhelfen. Und dann wenn alle meine Lebenskraft zu Ende ist, dann darf ich hoffe, dass Gott mich mit neuem Leben beschenkt. Dann dürfen wir auf Gottes Auferstehungsmacht hoffen. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Manchmal dürfen wir auch schon hier erleben, wie Gott Wunder tut. Wie er neue Kraft, neues Lebenswasser in schweren Zeiten schenkt.

Ich fasse zusammen: In unserem Leben können wir uns Dürre- und Wüstenzeiten widerfahren. Manchmal geht uns das Lebenswasser aus. Aber: Die Flasche unseres Lebenswasser muss nicht leer bleiben. Bei Jesus können wir sie gefüllt bekommen: Lebendiges Wasser. Das ins Ewige Leben quillt. Denn er ist der Fels des Heils und der Fels des Lebens. Heute und morgen und alle Zeit.  Amen.

(Brunnenfest 2008 Altheim, 10. August 2008, Pfr. Ulrich Möbus)



Liebe Gemeinde,
wenn man in alten Bücher über den Bau und die Einweihung der Harpertshäuser Kirche nachliest, dann kommt man zu dem Schluss: Das war ein besonderer Tag für Harpertshausen. Der ganze Ort war auf den Beinen. Jedes Haus war geschmückt. Am Festtag traf man sich an der alten Kapelle, dort, wo heute die Linde steht. Von dort zog der Festzug hier her zur neuen Kirche, angeführt von einem weißgekleideten Schulmädchen mit dem Schlüssel. Unter Glockengeläut und „den lieblichen Tönen des neuen Harmoniums“ zog die Gemeinde in die Räume der schönen Kirche ein. Zunächst hielt der Herr Dekan eine ergreifende Weiherede, danach der amtierende Pfarrer  Pfr. FEY eine ansprechende Festpredigt. Anschließend wurde beim Gastwirt Funck „ein treffliches Mittagsmahl auf Kosten der Gemeinde“ gehalten und bis in den späten Abend hinein gefeiert.

Ich muss gestehen: Diesen Festtag hätte gerne miterlebt. Zwar gab es anfangs Probleme, weil der Pfarrer sich weigerte in der neuen Kirche Gottesdienst zu halten. Aber 1882 war es endlich so weit: Es wurde von da an regelmäßig Gottesdienst in Harpertshausen gefeiert. Das war den Harpertshäusern so wichtig, dass wieder ein großes Fest begangen wurde. Und aus diesem Grund feierte man zwei Mal im Jahr Kirchweih. Ein weiterer Höhepunkt der Geschichte der Harpertshäuser Kirche war der Bau der Orgel auf der Empore. 1908 wurde sie von der Fa. Walker bebaut. Pfr. Walter schreibt dann noch von der  großen 100-Jahrfeier im Jahre 1966. Viele weitere schöne Gottesdienste hat die Kirche erlebt: Konfirmationen, Trauungen, Kirchweihfeiern usw..

Liebe Gemeinde, wie aber sieht es heute aus. Zum Hagelfeiertag kamen 18 Personen. Und weiter frage ich mich: Wie wird die Harpertshäuser Gemeinde in 20 Jahren aussehen? Wenn wir wie in den letzten Jahren jährlich 5 Mitglieder durch Tod oder Austritt verlieren, dann haben wir im Jahre 2025 ein Drittel unserer Mitglieder verloren. Die heute 70jährigen werden zum Grossteil nicht mehr da sein. Wenn keine neuen mehr kommen, befürchte ich, werden wir in 20 Jahren keine Gottesdienste mehr in Harpertshausen feiern. 

Können wir also zuversichtlich in die Zukunft der Harpertshäuser Kirche blicken?

Liebe Gemeinde, ich habe eine Antwort gefunden, und zwar zum einen in unserer Kirche selbst und zum anderen in dem Text, den Pfr. Fey damals 1866 seiner Festpredigt zugrunde legte.

Liebe Gemeinde, ich möchte in meiner Predigt diesen Psalm mit Hilfe der Architektur unserer Kirche auslegen. 

1. Viele von Ihnen – so ist mir erzählt worden – blicken angstvoll auf einen besonderen Stein unserer Kirche. Sie schauen auf den Schlussstein dort oben. Da ich meistens genau darunter stehe, haben Sie Sorge, dass er mir auf den Kopf fallen könnte. Ich kann Sie beruhigen, erstens kann er nicht auf mich fallen. Und zweitens ist mir von der Kirchenverwaltung besprochen, dem Problem Abhilfe zu schaffen. Aber lassen Sie uns einmal die Bedeutung des Schlusssteines bedenken. Der Schlussstein ist besonders wichtig. Er hält und trägt beide Halbbogen.

In dem vorgetragenen Psalm heißt es nun: Den Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Schlussstein geworden. In der christlichen Theologie wurde dieser Stein immer auf Jesus Christus gedeutet: Jesus ist der Stein, den die Bauleute, Volksführer, verworfen haben. Aber Gott hat ihn in tragende Position gebracht. An ihm soll alles hängen. Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene ist es, der die Gemeinde trägt.

Liebe Gemeinde, Jesus Christus hat uns als Eckstein bis hier her getragen. Er hat das in den letzten 140 Jahren getan. Er wird das auch weiterhin tun. „Jesus Christus ist derselbe, gestern heute und in Ewigkeit“ heißt ein urchristliches Bekenntnis. Auf Jesu ist Verlass. Darum will ich mich nicht nur für das, was mein Leben, sondern auch was das Leben der Gemeinde anbelangt, auf Jesus verlassen. Weil nicht der Pfarrer und nicht der Kirchenvorstand, sondern weil Jesus es ist, der die Kirche wie der Schlussstein trägt und zusammenhält, darum bin ich guter Zuversicht. Wenn dieser Jesus es will, dann wir es auch in 20 Jahren ein blühendes Gemeindeleben geben. Und Jesus sieht uns mit freundlichen Augen an. „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.“ Gott freut sich, wenn wir hier zusammenkommen. Gottes Freundlichkeit gilt uns hier in Harpertshausen. Und darum haben wir Zukunft.

2. Hinter dem Bogen des Schlusssteines schließt der Chor oder auch Altarraum an. Mit dem Altarraum ist die Mauer der Vorderseite unserer Kirche durchbrochen. Hier ist eine Öffnung. Wohin? Ein besonderes Kleinod unserer Kirche befindet sich dahinter: die Decke des Altarraumes. Haben Sie sich schon einmal betrachtet? Die Decke trägt unheimlich viele goldene Sterne auf dunkelblauer Farbe. Dort ist der Sternenhimmel zu sehen. Mit dem Altarraum ist uns also gesagt: Der Himmel steht uns offen. Wenn wir hier in der Kirche zusammenkommen, dann steht uns der Himmel offen.

Dem entsprechen auch die Fenster. Hier sind die meisten und größten Fenster. Hier können wir den Himmel sehen. So klein der Altarraum ist, die architektonische Ausrichtung weist nach oben. Der Altarraum strebt nach oben. Die meisten von Ihnen kennen die Altheimer Kirche. Dort ist das Nach-Oben-Streben noch deutlicher.

Liebe Gemeinde, lassen Sie uns doch diese bauliche Ausrichtung zum Vorbild nehmen: Wenn ich an die Zukunft denke, dann lassen Sie uns nach oben streben. Dann lassen Sie uns, uns nach Gott ausrichten. Dann lassen Sie uns die Nähe Gottes suchen. Darum lassen Sie uns beten und Gott um Hilfe bitten. „Oh, Herr hilf, o Herr, lass wohl gelingen“, ruft der Beter in unserem Psalm. Darum wollen wir bitten bei allem, was wir tun.

Für Gebet und Bitte steht auch der Altar: Die Bedeutung des Altars ist im Alten Testament: Hier kann man mit Gott in Kontakt kommen. Durch ein Opfer am Altar drückte man seinen Dank und auch seine Bitte aus. Liebe Gemeinde, wir brauchen zwar keine blutigen Opfer mehr, aber den Kontakt zu Gott brauchen wir dennoch. Lassen Sie uns also die Nähe Gottes suchen. Lassen Sie uns den Himmel suchen. Lassen Sie uns heute Gott danken. Und für die Zukunft lassen Sie uns beten und bitten. Lassen Sie uns das zu Hause tun, aber auch in Gemeinschaft der Gottesdienstgemeinde und auch der Gruppen- und Kreise.

Viele Menschen haben mir gesagt: „Die Kirche brauche ich nicht für meinen Glauben. Ich kann draußen in der Natur viel besser mit Gott reden.“ Wenn Sie auch so denken, dann überlegen Sie mal ehrlich: 1. Ist das wirklich so, dass sie draußen intensiv beten. 2. muss ich Ihnen sagen: In der Gemeinschaft betet und glaubt es sich besser. Und 3. wir brauchen Sie hier zum Beten, Glauben und Handeln. Wenn wir das gemeinsam tun, dann habe ich Hoffnung für unsere Kirche.
 
3. Als dritten Teil unserer Kirche möchte ich mit Ihnen das Kirchenschiff bedenken. Hier ist die Gemeinde versammelt. Hier hören wir auf Gottes Wort. Die Kanzel hat ihren Ort hier im Kirchenschiff. Hier danken wir und loben wir Gott. Das drückt unser Psalm immer wieder aus.

Die Sitzordnung – muss ich sagen - lässt theologisch zu wünschen übrig: Alle sitzen in Reihen hinter einander wie im Kino oder im Theater. Ich muss sagen: Der Gottesdienst ist keine Zuschauerveranstaltung. Nein, Kirche hat Zukunft, wenn jeder mitmacht. Wir haben Zukunft, wenn Sie mitmachen, wenn Sie mitbeten, mitloben und mitarbeiten. Da wird jeder gebraucht.

Damit komme ich zum 4. und letzten Aspekt: Das Gebäude-Ensemble Kirche und Rathaus. Für die Harpertshäuser ist es nichts Besonderes mehr, für den Rest der Welt schon: Die bauliche Verbindung von Kirche und Rathaus ist ein Unikum. Ich will es heute einmal so deuten: Kirche und Welt, Glaube und Alltag gehören zusammen. So tun wir gut daran, nicht nur sonntags Gottesdienste anzubieten, sondern auch mit den Menschen zu feiern wie heute beim Kirchfest. Mit unserem Sonntagskaffee wollen wir einerseits Geld für unsere Orgel verdienen, aber wir bieten so den Menschen die Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein. In den Besuchen, die in unserer Gemeinde gemacht werden – und ich denke dabei nicht nur an unseren Besuchsdienst – zeigen wir: uns sind die Menschen wichtig. Wenn wir so unseren Glauben leben, dann bin ich zuversichtlich, dass unsere Kirche auch in zwanzig oder in hundert Jahren Bestand hat.

Und dann haben wir Grund zu feiern. Dann können wir loben und danken, ja jubeln: Dies ist der Tag, den der Herr gemacht. Lasst uns freuen und fröhlich sein. Wir dürfen wissen: Gott hat uns damals die Kirche geschenkt. Er hat die vielen großen und kleinen Feste geschenkt. So wollen wir uns freuen, dass wir diesen Tag heute feiern können. Und wir wollen uns freuen auf die Tage, die Gott uns schenken wird. Amen.            Pfr. Ulrich Möbus




 Liebe Gemeinde, ihr lieben neuen Konfirmanden,

heute seid Ihr als neue Konfirmanden eingeführt worden. Heute geht es für euch mit der Konfi-Zeit so richtig los. Ich will die Konfi-Zeit einmal mit einem Fußballspiel vergleichen.

1. Heute hast du Anstoß. Bei einem Fußballspiel hat jede Mannschaft einmal Anstoß. Auch im Leben hat jeder einmal Anstoß.

Anstoß haben heißt: Jetzt bist du dran. Jetzt hast du den Ball. Jetzt kannst du mal machen. Mit der neuen Konfi-Zeit hast du auch Anstoß. Anstoß, um aus dem, was du im Konfi-Unterricht hörst und erlebst, etwas zu machen.

Einen Anstoß ausführen bedeutet, sich dem Ball zu nehmen und loszulegen. Für unseren Konfi-Unterricht  heißt das: Jetzt bist du dran, etwas aus dieser Zeit zu machen. Nutze die Gelegenheit, um rauszubekommen, was es sich mit dem Glauben und dem Evangelium auf sich hat. Teste uns: Mich, den Pfarrer, den Kirchenvorstand und die anderen Mitarbeiter. Schau nach, was wir glauben und ob die besseren Argumente für den Glauben sprechen. Manchmal sind dabei Fragen der einzige Weg, um weiterzukommen. Und dann wag den Glauben selbst. Lass die Konfi-Zeit zum Anstoß für den Glauben werden. Lass dich darauf ein.

2. Bei einem Fußballspiel gibt es ja eine Menge Zuschauer und Fans, aber nur wenige Spieler. Manchmal habe ich das Gefühl, das ist auch bei Kirche – und bei vielen anderen Organisationen - so: Da gibt es ein paar Aktive und sehr viele Zuschauer. Ich hoffe, Ihr Konfirmanden und Eure Eltern, ja alle hier sind nicht Leute, die alles besser wissen und ansonsten nur rumnörgeln. Manche reden immer wieder „von der Kirche“ ohne zu bedenken, dass auch sie dazugehören. Denkt ihr daran: Ihr gehört dazu. Oder in der Fußballsprache zu sprechen: Du bist als aktiver Mitspieler nominiert!

Mit der Nominierung zur Deutschennationalmannschaft war es ja diesmal sehr aufregend. Was war es für ein Drama, bis klar war, ob Lehmann und Oliver Kahn im Tor stehen. Als Jürgen Klinsmann vor 8 Wochen bekannt gab, wer nominiert ist, da gab es bei manchen Spielern freudige Überraschungen. Andere waren sehr enttäuscht, weil sie nicht dazugehören.

Es kommt alles darauf an zur Mannschaft zu gehören und als Spieler aufgestellt zu sein. Liebe Gemeinde, bei Gott dürfen und sollen Sie nicht nur Zuschauer sein; sie sollen Mitspieler sein.

Zachäus damals – von dem wir in der Lesung hörten - wollte aus gesicherter Position und aus Distanz Jesus zuschauen. Doch Jesus holt ihn von der Tribüne dieses Baumes herab ins Leben. Zächaus beginnt aktiv im Team Jesu mitspielen. Dasselbe kann jeder von uns erleben.
Als Jesus damals begann öffentlich wirksam zu werden, da berief er auch eine Mannschaft zusammen. 12 Jünger gehörten dazu. Ihr lieben Konfis, mit der Taufe seid auch ihr berufen dazuzugehören. Mit der Taufe gehört ihr zu Mannschaft Jesu.

Dass ihr Konfirmanden in diesem Jahr eine Mannschaft werdet, das wünsche ich euch. In einer Mannschaft kämpft einer für den anderen. Da steht eine für die andere ein. Da hält man zusammen. Da muss keiner am Rande stehen. Ich wünsche euch, dass euch das gelingt. Ich wünsche euch, dass Gott euch zu einer Mannschaft macht.

Ihr selbst könnt dazu etwas beitragen. Achtet zum Beispiel darauf, dass keiner im Abseits steht. Klar, im Fußball wie im Leben ist oft der, der im Abseits steht, selbst daran schuld. Aber dennoch könnt ihr als Mannschaft und zwar jeder einzelne dazu etwas tun, damit keiner im Abseits stehen bleibt. Geht zum Beispiel auf den zu, den ihr noch nicht kennt. Wenn wir Arbeitsgruppe bilden, kann jeder mit dem zusammenglucken, den er eh schon kennt, oder aber er kann auf andere zugehen; man kann andere einladen, mitzumachen. Also denkt daran: Ihr sollt eine gute Mannschaft werden. Denn ihr sollt zur Mannschaft Gottes gehören. 

In einer Fußballmannschaft gibt es Stürmer, Mitfeld-, Abwehrspieler und einen Tormann. Die Aufgabe des Trainers ist es jeden nach seinen Begabungen einzusetzen. Und dann wir jeder mit diesen Begabungen gebraucht. Da ist dann jeder wichtig! Liebe Gemeinde, das ist auch in der Gemeinde Jesu so: Da wird jeder gebraucht; jeder mit seinen Gaben. Auch bei euch Konfirmanden ist das so. Jeder wird gebraucht. In einem Spiel kann auch nicht der Tormann sagen, ich bin so gut, heute verzichten wir mal auf die Stürmer. Nein, jeder ist wichtig. Das ist bei euch in der Konfi-Gruppe auch so. Da ist jeder wichtig. Macht euch doch einmal auf Entdeckungsreise, welche Begabungen jeder einzelne hat und bringt sie in unsere Mannschaft mit ein.

Beim Vereinsfußball gibt es noch etwas sehr wichtiges. Wenn ein Spieler von einem Verein zu einem anderen wechseln will, dann muss für ihn in den meisten Fällen eine Ablösesumme bezahlt werden. Die höchste Summe, die je für einen Spieler gezahlt wurde, sind unglaubliche 71,6 Mill. Euro – das sind über 140 Millionen DM. Sie wurden 2001 für Zinedine Zidane gezahlt, damit er zu Real Madrid welchselt. Ich weiß nicht, wer von euch Fußball spielt. Spielst du gut? Vielleicht träumst du davon, dass auch für dich einmal ein großer Verein eine Ablösesumme zahlt.

Ihr lieben Konfirmanden, für euch alle ist bereits die größte Ablösesumme bezahlt worden, die überhaupt vorstellbar ist. Was kann es höheres und wertvolleres geben als das Leben einen Menschen! Das Leben Jesu ist die Ablösesumme die Gott für euch bezahlt hat. So wichtig und so wertvoll seid ihr für Gott, dass er seinen Sohn auf dieses Welt geschickt hat, dass er ihn hat sterben lassen. Jesus hat die Ablöse bezahlt, damit ihr erlöst werdet: Erlöst von euer Schuld, von euren Fehlern, von den Fouls, die ihr in eurem Leben begeht und begangen habt. Freilich ihr habt noch keinen umgebracht, oder? Aber wenn alle zum Beispiel über einen Mitschüler herziehen, dann habt ihr auch schon mitgemacht. Ihr Lieben, Jesus hat für diese Fouls von euch bereits die Rote Karte gesehen: Er wurde vom Spielfeld des Lebens gestellt. Und genau dieser Jesus hat euer anderes große Problem gelöst: Er hat den Tod überwunden. Mit seiner Auferstehung hat er euch das Leben erkauft. In Jesus Christus hat Gott die Größte Ablösesumme allerzeiten bezahlt, und zwar für euch. Damit ihr zu seiner Mannschaft gehört. Also für jeden gilt: Du sollst dazugehören. Du bist bei Jesus aufgestellt. Und nun hast du sogar Anstoß. Jetzt mach mal.

3.Damit komme ich zum dritten Aspekt: Was soll das alles? Was ist das Ziel? Manche sagen ja etwas hämisch „Fußball sei ein Spiel von 22 Jungs die planlos einem weißen Ball hinterherlaufen.“ Natürlich laufen die Fußballer nicht planlos über das Feld. Der Tormann und die Abwehr halten hinten den Kasten sauber. Und vorne gilt es Tore zu schießen.

Liebe Gemeinde, was ist das Ziel Ihres Lebens? Was wollt ihr Konfirmanden einmal erreichen? Eine von euch hat in den letzten Tagen und Wochen auf ein besonders Ereignis hingefiebert: Die Aufführungen des Musical „Der kleine Horrorladen“. Ich hoffe, es hat alles geklappt. In dem Musical geht es um den Blumengärtner Seymour. Sein Ziel war eine schöne Frau zu heiraten und beruflichen Erfolg zu haben. Vielleicht sind das auch eure Ziele. Wenn es soweit ist, wollt ihr eine gute Lehrstelle, dann einen tollen Job haben und schließlich richtig Karriere machen. Vielleicht wünscht ihr euch dazu auch noch eine tolle Freundin oder Freund. In unserem Konfi-Jahr werden wir der Frage nachgehen: Reicht das für ein gelingendes Leben?

Beim Fußball ist es ja so: Knapp vorbei ist auch vorbei. Es reicht nicht: Es einmal mit einem Schuss zu versuchen. Nein, der Ball muss in das Tor der anderen Mannschaft und zwar hinter die Linie.

Ihr Lieben, im Blick auf Gott ist das auch so: Wer gerade mal ein bisschen an Gott denkt, wer im Konfi-Jahr mal so ein bisschen über Gott nachgedacht hat, der hat noch kein Tor gemacht. Gott will, dass ihr bei ihm einen Treffer landet. Dass ihr zum Beispiel auf der Konfi-Fahrt spürt: Ja, Gott meint mich. Ich bin ihm wirklich wichtig. Für ihn bin ich nicht nur eine Nummer, sondern da bin echt etwas ganz besonderes. Es kommt darauf an, dass ihr solche seid, die Gott nominiert hat, die zu seiner Mannschaft gehören. Wenn ihr dazu JA sagt, dann habt ihr schon bei Gott den ersten Treffer gelandet. Von daher kann ich euch nur zu rufen: „Mensch, mach ihn rein.“

Ein Spiel dauert nicht ewig. Ein Fußballspiel dauert in der Regel 90 Minuten. Dann gibt es 30 Minuten Verlängerung und schließlich Elf-Meter-Schießen. Danach erfolgt nach dem Anpfiff der letzte wichtige Pfiff: Der Schlusspfiff. Und dann zählt das Ergebnis. Dann zählt wie viele Bälle im Tor gelandet sind.

Liebe Gemeinde, was ist ihr Ergebnis, wenn der Schlusspfiff ihres Lebens gepfiffen wird? Was kommt bei Ihrem Leben heraus? Ich wünsche Ihnen, dass Sie dann sagen können: Ja, es hat sich gelohnt. Ich habe das Evangelium von Jesus Christus kennen gelernt. Ich glaube der guten Nachricht. Liebe Gemeinde, wenn das geschieht, dann sind auch bei Gottes All Stars Mannschaft in der Ewigkeit dabei. Amen.




Liebe Festgemeinde, ihr Lieben Konfirmandinnen und Konfirmanden,

wer von euch hat nicht schon einmal gedacht, das mit Kirche, Gott und Glaube ist eine alte verstaubte Sache? Etwa so wie dieses alte, vertrocknete Gestrüpp? Wem kam der Glaube nicht schon einmal altbacken und vertrocknet vor?

Aber, ihr lieben Konfirmanden, manchmal trügt auch der Schein. Betrachtet doch diese Rose etwas einmal genauer. Ja, dieses seltsame "Etwas" nennt sich "Rose von Jericho". Ihr denk wahrscheinlich: „Das soll eine Rose sein? Dieses verhutzelte zusammengerollte trockene braune Gestrüpp?" Man findet sie in den Wüsten und Steppen von Israel, in Ägypten und auch Mexiko.

Das Geheimnis der Rose von Jericho sieht man dann, wenn man diesen komischen Klumpen in eine Schale mit Wasser legt. Innerhalb weniger Stunden erwacht diese Pflanze zu neuem Leben. Sie entfaltet sich, rollt ihre Äste auseinander und wird prächtig grün. Schon verwunderlich, was aus diesem krümeligen Gestrüpp werden kann. Man kann den Vorgang übrigens mit heißem Wasser beschleunigen – das wollen wir gleich mal testen.

Vor einiger Zeit bekam ich so eine Rose geschenkt. Ich fand sie ganz toll. Aber ich hatte nicht lange Freude dran, denn eines Tages war sie verschwunden, einfach weg. Nach ein paar Tagen hatte ich dann herausgefunden, was passiert war: Meine Frau hatte sie einfach weggeschmissen: "was soll denn das vertrocknete Ding im Wohnzimmerregal?" Sie hat einfach nichts vom Geheimnis der Rose gewusst.

Wenn meine Frau sie damals nicht weggeworfen hätte, könnte ich sie immer noch haben. Es gibt einen Brauch, bei dem wird diese Pflanze von Generation zu Generation verschenkt. Ein Tipp für alle Verliebte: Man kann in ihrem Inneren ein kleines Geschenk verstecken.

Liebe Konfis, liebe Festgemeinde, könnte es nicht sein, dass es mit dem Glauben ist wie mit der Rose von Jericho. Auf dem ersten Blick erscheint er alt und verstaubt, tot und vertrocknet. Manch einer hat darum auch seinen Glauben über Board geworfen, ist aus der Kirche ausgetreten und hat mit Gott und Glaube nichts mehr zu tun.

Aber mit dem Glauben ist es, wie mit den Pflanzen: Man muss ihn pflegen und Wasser geben. Dann grünt er und erweist sich als fröhlich und sehr lebendig. Auch Ihr habt in diesem Konfi-Jahr davon etwas gespürt, wie Glaube Freude machen kann. Wie viel Spaß Ihr zum Beispiel auf der Konfi-Fahrt hattet, davon kann man sich durch die Dia-Show auf unserer Internet-Seite überzeugen. Die Ergebnisse sind im Glockenturm zu sehen. Dass wir das Evangelium mit einem lauten Halleluja im nächsten Gospelgottesdienst feiern, darauf freue ich mich schon jetzt.

Wer sich auf Gott einlässt, der wird entdecken, dass der Glaube einen wunderbaren Schatz enthält. So wie es Sitte war, in die Jericho-Rose ein kleines Geschenk zu legen. Auch unsere Rose von Jericho enthält einen Schatz. Schaut mal genau: ein Kreuz.

Vielleicht fragt ihr: Was soll jetzt das Kreuz – das ist ja auch so ein altes, unattraktives Zeichen. Ein solches Kreuz sollt hier alle heute geschenkt bekommen. Es ist ein besonderes Kreuz. Es hat in der Mitte ein Loch. Das soll sagen: Das Kreuz eröffnet neue Perspektiven. Das Kreuz, das für Jesus steht, schenkt einen neuen Blick.

Ihr erinnert noch daran, wie wir versucht haben darüber etwas herauszubekommen, welchen Sinn Jesu brutaler Tod am Kreuz hat. Erinnert euch daran, wie wir das große Kreuz über zwei Tische gelegt haben. Ich weiß nicht mehr, wer es gewagt hat darüber zu gehen. Es sollte deutlich machen: Jesus ist die Brücke, die Gott für uns errichtet hat. Jesus ist die Brücke, über die wir zu Gott kommen können. Weil er unsere Probleme gelöst hat. Als ihr das Kreuz in eurem Jesus-Kirchenfenster erklärt habt, sagtet ihr: Jesus ist für Sünden gestorben. Wie die Sonne so strahlt die Freude der Auferstehung und des Lebens in unser Leben. Diese Sonne, diese Licht soll euch strahlen – euer Leben lang.

Wenn ihr heute die Jericho-Rose geschenkt bekommt, dann könnt ihr sie später – meinetwegen -in irgendein Regal weglegen. Aber macht es nicht so mit eurem Glauben!

Ihr habt doch die Entdeckung gemacht: Der Glaube will ein lebendig sein. Denn Jesus ist lebendig. Vielleicht bleibt euch das Halleluja im Ohr, das wir in Freude und Überzeugung gesungen haben. Ja, der Glaube ist ein fröhlich und lebendig Ding. Die Worte des Glaubensbekenntnisses, das ihr auf der Karte findet, mögen alt klingen. Die Sache aber ist lebendig – wie das Feuer auf der Karte. Denn Gott ist lebendig. Und Gott hat euch etwas zu sagen: Er, der Vater im Himmel, hat euch erschaffen und das Leben geschenkt. Er will, dass ihr ein gutes und schönes Leben habt, ein Leben, das einen Sinn und ein Ziel hat.

Der Weg zu einem sinnvollen Leben heißt Jesus Christus, der für den Mist in unser Leben gestorben und auferstanden ist. Und Gott ist der Heilige Geist, der uns Gemeinschaft schenkt. Das erfahren wir im Heiligen Abendmahl: Gott schenkt uns Gemeinschaft mit sich. Er will mit uns zu tun haben. Und er schenkt Gemeinschaft unter einander. Im Abendmahl wird deutlich, wir gehören zusammen – so wie ihr es auf eurem tollen Kirchenfenster dargestellt habt. Keiner muss seinen Weg allein gehen.

Ihr lieben Konfirmanden, Gott hat euch eine große Verheißung gegeben. Ursprünglich galt sie dem Volk Israel, aber heute gilt sie auch uns. Gott sagt durch seinen Propheten:
Ich will Wasser gießen auf das Durstige
und Ströme auf das Dürre:
ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen
und meinen Segen auf deine Nachkommen.
(Jesaja 44,3)

Ihr Lieben, glaubt nicht, dass die Zeit, die vor euch liegt, immer rosig sein wird. In eurem Leben wird es auch Dürreperioden geben, da geht nichts vorwärts, in der Schule oder in der Arbeit geht ist einem schlecht, die Freunde gehen einem auf die Nerven und im dümmsten Fall kann man sich gerade selber nicht leiden. Dann rollt man sich zusammen, will nichts mehr hören und sehen - so, wie die trockene Rose von Jericho.

Aber Gottes Verheißung gilt: Er will Wasser gießen auf das Durstige;
nicht nur ein bisschen Leben verheißt Gott: Ströme auf das Dürre.
Er will euch seinen Geist geben – heute und immer neu.
Er will euch seinen Segen schenken: heute, wenn ihr niederkniet, um den Segen zu empfangen und jeden Tag. Gott wird mit euch gehen. Auch wenn ihr ihn nicht seht. Gott ist da und steht zu seiner Verheißung.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
ich komme zum Schluß: Macht es nicht so, wie meine Frau mit meiner Rose von Jericho: Werft euren Glauben nicht weg, weil ihr meint, er sei alt und vertrocknet. Nein, ich wünsche euch, dass es euch gelingt euren Glauben wie so eine Pflanze zu hegen und zu pflegen. Sicherlich wird es irgendwann auch Phasen der Trockenheit geben, die erlebt jeder Mensch.

Ich wünsche euch, dass ihr es erlebt, wie schön es ist, einen Glauben "im grünen Bereich" zu haben.
Wo ihr erleben könnt, dass Gott euch schützt und begleitet.
Wo ihr spürt, dass der Glaube Hoffnung geben kann - auch in ganz traurigen Situationen.
Dass ihr ganz von alleine darauf achten werdet, dass er euch nicht vertrocknet.
Nicht dem Pfarrer zuliebe, nicht den Eltern zuliebe ; sondern weil ihr spürt wie wunderbar es sein kann, wenn man Gott an seiner Seite hat. Amen.




Liebe Gemeinde,

Auch in einer Gemeinde gibt es so etwas wie Register, ein Gruppe von Christen, die zusammenstehen und zusammengehören. Da gibt es den Bibelkreis, der sich um Gottes Wort müht; es gibt den Kirchen- und den Posausenchor; die Konfirmandengruppe und die Frauenhilfe; hier gehört man zusammen und steht zusammen. Wichtig ist, dass man wo dazu gehört und sich heimisch fühlt.


4. Für eine Orgel ist die Luft ganz wichtig, um die Pfeifen erklingen zu lassen. Auch wir als Gemeinde brauchen Luft zum Leben. Bei der Orgel spricht man hier vom Wind. Wußten Sie dass man den sogar wiegen kann? Der Orgelbauer besitzt eine sogenannte „Windwaage“, mit der er den Luftdruck messen kann. Unser Orgelbauer hat den Wind etwas erhöht, so auf 75-85 mm Wassersäule, damit erklingt die Orgel mit etwas mehr Fülle und Kraft. Wo aber kommt der Wind her?

Der Wind kommt aus dem Blasebalg. So manch Älterer hat den Blasbalg als Konfirmand getreten und damit dem Organisten die nötige Luft besorgt. Heute erledigt das ein Motor. Der Druck darf jedoch nicht so stark sein, darum ist es ein Motor mit extrem langsamer Drehung nötig. Der ist so langsam, dass er schon wieder teuer wird.

Liebe Schwestern und Brüder, auch eine Gemeinde braucht Wind und einen Motor. Wer ist bei uns der Motor? Nein, nicht der Pfarrer. Der Wind ist in der Bibel ein Symbol für den Heiligen Geist. Als die ersten Christen den Geist Gottes empfangen, geschieht ein Brausen vom Himmel her und erfüllt alles. Auch uns Christen erfüllt Gottes Geist, Er treibt uns an. Er bringt frischen Wind in die 1000jährigen Gemäuer unserer Kirche.

Liebe Gemeinde, weil Gott unser Motor ist, darum können wir auch manchmal auf dem letzten Loch pfeifen. Wir können schwach sein, weil unsere Kraft von Gott kommt. Wenn wir eingestehen, dass wir als einzelne und wir als Gemeinde von uns auch nicht weiter wissen oder können, dann kann und will Gott bei uns anfangen. Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig, schreibt der Apostel Paulus.

In der Orgel wird der Wind aus dem Blasebalg in die sogenannte Windlade geführt. Die Windlade wird als das Herzstück der Orgel bezeichnet. Ich zitiere dazu aus einem Musiklexikon: Äußerlich gesehen scheint eine Windlade ein einfacher Holzkasten zu sein, auf dem die Orgelpfeifen stehen. In ihrem Inneren enthält jede Windlade jedoch ein doppeltes Steuerungssystem, das dafür sorgt, daß einerseits nur die Pfeifen der Töne erklingen, deren Tasten gedrückt werden und andererseits nur die Pfeifen jener Register ansprechen, die gezogen wurden. Das hört sich kompliziert an. Das ist auch kompliziert. Darum möchte ich versuchen, es zu erklären, wie Lehrer Bommel in der Feuerzangenbowle die Dampfmaschine erklärt hat. Wat is en Windlade? Da stelle mer uns janz dumm, und da sage mer so: En Windlade, dat is ene jroße schwarze Raum. Der hat unten un oben viele Löcher; un da stehn je Orgelpfeifen druf. De eine Sorte Löcher da kommt de Wind rinn, und aus de andere kommt de wider raus in de Pfeife. Und alles annere dat krieje mer später."

Die Windlade ist also ein Holzkasten mit einer zweifachen Steuerung. Diese Steuerung läßt den Wind zu den Orgelpfeifen, die der Organist durch den Tastanschlag und die Registrierung auswählt.

Ihr Lieben, auch in einer Gemeinde gibt es eine  Entsprechung zur Windlade. Bei uns ist das der Gottesdienst. Im Gottesdienst kommen alle aus den verschiedenen Gruppen und Kreisen zusammen. Das sind die Konfirmanden, ebenso wie die berufstätigen oder die alten Damen. Im Gottesdienst kommen alle zusammen, um gemeinsam zu singen und beten und auf Gottes Wort zu hören.

Nun haben wir den Aufbau einer Orgel erklärt. Ein Zweifaches dürfen wir aber nicht vergessen. Zum einen eine Orgel muß gewartet und gereinigt werden und zwar regelmäßig. Auch wir Christen können uns von Gott reinigen lassen. Was in unserem Leben schief läuft, will Gott vergeben. Gott hält immer eine Neustimmung, ein neue Chance für uns bereit. Die Orgelreinigung findet alle 20-30 Jahre statt. Bei Gott müssen wir nicht so lange warten.

Zum anderen: Eine Orgel ist dazu bestimmt, dass auf ihr gespielt wird. Die Pfeifen sollen erklingen. So ist es auch bei uns. Auch wir Christen und wir als Gemeinde sind nicht für uns selbst da. Der Organist liest, wenn er zur Gemeinde schaut, oben im Chorraum: „Allein Gott sei Ehre.“ Das gilt auch für uns. Zur Ehr Gottes leben und feiern wir – heute am Kirchfest und morgen im Alltag. Amen.


Zur Veranschaulichung sind verschiedene Schlüssel hilfreich: ein Infrarot-Autoschlüssel, eine Code-Karte und ein möglichst großer, alter Schlüssel.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde ! 

 I. In den letzten Tagen fiel mir ein nettes Konfimanden-Lied in die Hände.
"Sagt, was hat das denn gebracht,
Die zwei Jahre, jede Woche?
Mal gelernt und mal gelacht,
Mal geträumt, mal mitgemacht. 
Sagt, was hat denn das gebracht? 

Die Mutter spricht: Wart ab, schon bald
Wirst du es selbst erfahren.
Man braucht doch irgend einen Halt .
Das merkt man mit den Jahren!

Der Vater spricht: Ach so, mein Sohn,
Er passt dir nicht, der Laden? !
Merk dir, ein bisschen Religion
Kann gerade dir nicht schaden! 

Die Tante spricht: So fragt man nicht,
Du kannst dich nicht beklagen!
Was hatten wir zu unsrer Zeit
Für Sprüche aufzusagen! 

Der Onkel spricht: Als Konfirmand .
Ist man schon fast erwachsen -
Stoß mit mir auf die Zukunft an
Und mach mir keine Faxen! 

 Jesus, sag, was hat's gebracht,
Die zwei Jahre, jede Woche?
haben Mal gelernt, und mal gelacht,
mal geträumt, mal mitgemacht
-         Jesus, sag, was hat's gebracht? 

Und Jesus spricht: ich war im Geist
Bei euch in diesen Stunden.
Ich suchte euch - will 's Gott –
so habt Ihr dort auch mich gefunden!
(H.R.Rapp)
 

"Sagt, was hat es denn gebracht?" Heute, am Ende der Konfirmandenzeit, kann man, darf man so fragen. Und wir haben auch schon etwas Bilanz gezogen. Heute frage ich nochmals anders: Was bringt das heutige Fest? Was bringt die Konfirmation selbst? Nicht nur die berühmten Geschenke, die ich euch von Herzen gönne; nicht nur Aufregung und feuchte Hände; nicht nur schicke Klamotten und eine aufregende Frisur; nicht nur gutes Essen und einen Hauch von Erwachsensein. Ich versuche, eine andere Antwort zu geben. Ich will sie mit einem Symbol veranschaulichen: mit einem Schlüssel.

II. Schlüssel gehören zu unserem Leben und Alltag. Was sie bedeuten, merken wir, wenn wir den Schlüsselbund verlegt haben und angestrengt und ärgerlich nach ihm suchen müssen. Einen Schlüssel zu bekommen, erweitert unsere Möglichkeiten. Wir bekommen Zugang zu einer neuen Türe und zu dem, was hinter ihr liegt.

Je dicker der Schlüsselbund ist, desto mehr Zugänge scheinen wir zu haben. Je interessanter der Schlüssel, desto bedeutender das, was ich aufsperren und nutzen kann: ich denke etwa an die schicken infrarotgesteuerten Autoschlüssel, die Karten mit den codierten Magnetstreifen für Sicherheitsanlagen, oder an diesen alten, großen Schlüssel: (Schlüssel werden gezeigt) Er passt zur Kirchentür.

Wann bekommt man eigentlich seinen ersten eigenen Schlüssel? Etwa den ersten Wohnungs- oder Hausschlüssel. Wann habt ihr einen eigenen Wohnungsschlüssel bekommen? Wann war dies bei uns, den Erwachsenen? War es bei euch irgendwann mit zwölf, also noch gar nicht so lange her? Oder wart ihr einmal ein "Schlüsselkind", das den Hausschlüssel an einer Schnur um den Hals trug zum Schutz vor dem Verlieren? Musste der Schlüssel erkämpft werden von den Eltern? Oder waren die Eltern erleichtert, dass das Kind schon groß genug war für den eigenen Schlüssel?

Ein eigener Schlüssel bedeutet Unabhängigkeit und Selbständigkeit, einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Man kann jetzt kommen und gehen, wann man will. Keine Frage: damit ist Verantwortung verbunden und Vertrauen. "Wir trauen dir zu, dass du verantwortlich mit dem Schlüssel umgehst."

Ich will einmal behaupten, dass ihr heute zur Konfirmation auch einen Schlüssel bekommt: den Schlüssel des erwachsenen Glaubens. Wir muten euch die Verantwortung zu, erwachsene Schlüsselkinder im Glauben zu sein! Und man kann das Leben eines Christen, im Bild gesprochen, auch so sehen, mit einem Schlüssel in der Hand durch das Leben zu gehen und Türen auf- und zuzuschließen. Genauso hat es Jesus getan.


III. Ich erinnere euch an den Mann Zachäus. Er hat einen fragwürdigen Beruf, ist eine zwielichtige Gestalt. Man will mit ihm nichts zu tun haben. Das Leben scheint für ihn gelaufen zu sein, er arrangiert sich damit. Geld hat er ja genug. Aber ist das alles? Die Türen zu Gemeinschaft und Freundschaft blieben ihm verschlossen. Jesus nunsagt zu ihm: „Komm runter vom Baum. Ich will heute bei dir essen.“ Hier geht für Zachäus eine Tür auf zu einem neuen Leben.

Wie viele Menschen gibt es, für die die Türen einfach zu sind? Denken  wir nur an Straßenkinder in den Elendsvierteln der so genannten Dritten Welt. Sie haben kein Dach über dem Kopf und suchen im Müll nach Essbarem. Sie haben kaum eine Chance zum Leben und doch denselben Hunger nach Glück wie wir. Sie stehen vor den verschlossenen Türen.

Hier will Gott, dass die Türen aufgehen, weil er selbst in Jesus Tor und Tür geöffnet hat. Und dass die Türen zu Armen und Benachteiligten aufgehen, das liegt auch in eurer und unserer Macht und Verantwortung.

Was aber, wenn ihr selbst vor verschlossenen Türen steht? Vor der verschlossenen Tür zur Versetzung in die nächste Klasse? Vor der verschlossenen Tür zu einem Beruf, den ihr euch wünscht? Vor der verschlossenen Tür zu einem Partner, einer Partnerin, den oder die ihr euch erträumt?

Manchmal kann man hundert verschiedene Schlüssel haben und trotzdem nicht den passenden. Aber ihr sollt wissen: Nicht jede Tür muss und kann man selbst aufschließen. Es gibt auch Schlüsselträger; Menschen, die euch Türen aufmachen. Auch Zachäus hat die erste Tür nicht selbst aufgemacht. Die ist ihm aufgemacht worden. Und es gibt Situationen, wo es ganz schlimm kommt und nichts mehr zu gehen scheint. Dann gibt es Schlüsselträger, die für einen da sind. Dadurch ist schon manche Tür aufgegangen. 
 

IV. Kann man den Schlüssel, den ihr heute - im Bild gesprochen - bekommt, näher beschreiben?

Ich finde eine Beschreibung an einer berühmten Stelle im Neuen Testament, im Evangelium des Matthäus, und ich lese den Text in einer etwas umschreibenden und kürzeren Form.

„Jesus fragte seine Jünger: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da tritt Petrus heraus und sagt: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus sagt zu ihm: Selig bist du, denn das weißt du nicht aus dir selbst, sondern es ist ein Geschenk von Gott. Und ich sage dir:

Ich will dir die Schlüssel zum Himmelreich geben, und alles, was du auf Erden binden wirst, das soll auch im Himmel gebunden sein. Und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein." (Matthäus 16, 15-19)

Hier wird der erste Mensch konfirmiert. Auch ihr werdet nachher gefragt, was ihr von Jesus Christus haltet. Mit seiner Antwort bekommt Petrus den  Schlüssel zum Himmelreich, zum Reich Gottes. Und auch ihr sollt genau dasselbe bekommen.

Was ist den nun der Schlüssel zum Himmelreich? Eine Schlüsselfrage ist die, die dem Petrus gestellt wurde: Was hälst du von Jesus? „Man sagt, er war ein Gammler“ war das Thema einer Konfi-Stunde: Wer ist Jesus für dich? Ein Gammler, ein Wundertäter, ein guter Redner. Oder aber der Sohn Gottes, der mir den Weg zum Gott dem Vater aufschließt. Liebe Konfirmanden, genau das will Jesus sein: Der Schlüssel zum Himmelreich. Der Schlüssel, um mit Gott in Kontakt zu kommen. Durch Jesus kommen wir zu Gott.

Jesus erschließt uns Glaube. Jesus lehrte seinen Jüngern das Vater unser. Auch ihr könnt das Vater unser beten. Gott ist unser Vater; einer, der für uns da ist; der ein offenes Ohr für uns hat. Diese Tür zu Gott dem Vater hat Jesus uns aufgeschlossen. Dazu hat er uns den Schlüssel gegeben.

In Jesus finden wir einen Schlüssel, der für viele Türen, für viele Fragen passt. Wir waren vor wenigen Wochen auf dem Friedhof und haben dort auch die Gräber junger Menschen aufgesucht. Wenn ich dann an die Frage nach dem Tod und dem Leid denke, dann zeigt mir Jesus, der selbst litt und starb, dass Leid zum menschlichen Leben gehört und dass Gott uns gerade da nahe ist. Jesus ist auferstanden, das macht mir aber auch Hoffnung. Jesus eröffnet mir Hoffnung auf Leben.

Im Pfarrhaus habe ich einen Schlüsselkasten mit unzähligen Schlüsseln, von denen ich nicht weiß, wo sie passen. Sie nützen mir nichts. Einen Schlüssel zu besitzen und ihn nicht zu benutzen, bringt auch nichts. Ihr lieben Konfirmandinnen und Konfirmanden, macht es mit Jesus, dem Schlüssel zum Himmelreich, anders. Benutzt ihn! Versucht ob er für euch passt. Ihr werdet die Entdeckung machen: Wo wir keinen Weg sehen, da kann Jesus Türen öffnen. Freilich nicht immer nach unseren Wünschen, aber doch so, dass wir leben können. 
 
Petrus, der Pförtner des Himmels - wir kennen ihn aus vielen Witzen - ein gutmütiger harmloser Türschließer. Nein, ganz und gar nicht. Er wird zum Hüter des Reiches Gottes auf der Erde. Jesus bevollmächtigt Petrus, Gott und seinen Willen auf der Erde durchzusetzen.

Ihr könnt aus dieser Erde einen Garten Gottes machen mit Menschen, die lachen, euch und einander beistehen und euch und einander trösten. Ihr habt den Schlüssel dazu. Ihr habt die Macht und die Verantwortung, Gott in euch und in die Welt hineinzulassen und das Böse auszusperren. 

Der Schlüssel, den ihr heute bekommt, hat noch eine besondere Form. Die Konfirmationssprüche, die ihr nachher bekommt, sind Schlüsselworte. Sie erinnern euch an eure Fähigkeiten, an eure Verantwortung, und sie schließen euch Türen auf. Sie passen jetzt zu euch: Ihr habt sie euch selbst herausgesucht. Diese Schlüsselworte sollen euch begleiten, sie erschließen sich freilich auch erst nach und nach. Sie erinnern euch daran, wo ihr zu Hause seid, was immer geschieht: bei Gott.

Sie halten auch die Erinnerung daran wach, dass Jesus der Schlüssel zum Leben ist, und dass sein Schlüssel des Himmelreichs auch dort sperrt, wo unsere Schlüssel nicht passen: dann, wenn wir durch die letzte menschliche Tür müssen und er uns den Abendmahlssaal aufsperrt und uns einlässt -und dann, dann wird etwas los sein im Himmel.

Und manchmal schon auf Erden. Amen



Liebe Gemeinde,lassen

Sie mich zu Beginn meiner Predigt von drei Menschen erzählen, die ich als erstes damals in Dudenhofen zum Geburtstag besuchte. Frau Maier, so möchte ich Sie einmal nennen, war eine fröhliche, vor Kraft und Lebenswillen strotzende Frau. Das kleine Zimmer war überfüllt mit Besuchern, voller Gelächter und Freude. Schon als junges Mädchen leitete sie die Sportgruppe, was in damaliger Zeit für eine Frau etwas sonders war. Sie war schon über 80; doch noch immer führte sie ihren Haushalt selbständig. „Ich will niemanden zur Last fallen“ sagte sie. „Ich komme gut alleine zurecht.“ „Tough“ so würde man sie heute bezeichnen. „Tough“ bedeutet fest, zäh, widerstandsfähig, hart. Es ist geradezu ein Modewort geworden und wird als Kompliment verstanden. Er oder sie sind die Helden unserer Talkshows.

Anschließend führte mich mein Weg zu einem zweiten Geburtstagskind. Hier traf ich auf zwei Alte. Die Frau lag im Bett, und er kochte gerade ein Süppchen für sie. Es war ein Jammertal. Sie habe sich gänzlich verändert, erzählte er. Immer wieder rief sie, ohne dass sie seine Hilfe wirklich brauchte. Verwirrt sei sie. Die eigenen Kinder würde sie manchmal nicht mehr erkennen. Allein lassen kann man sie nicht. „Ist das noch ein Leben?“ fragte mich der über 80jährige.

Mein dritter Besuch führte mich in das Haus einer Frau, die vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitten hatte. Sie war ans Bett gebunden und schwerst pflegebedürftig. Sie konnte nicht mehr selbst essen und auch nichts mehr kontrolliert bei sich behalten. Im Laufe der Jahre verlor sie mehr und mehr ihr Bewusstsein. Auch hier fragten mich die Angehörigen: „Ist das noch menschenwürdiges Leben?“ Was ist die Würde des Menschen im Alter? So möchte ich in meiner heutigen Predigt fragen:

Was ist die Würde des Menschen?

Was zeichnet den Menschen aus, auch und gerade im Alter?

Für viele zeichnet sich die Würde des Menschen durch seine Selbstbestimmung aus. Sie wollen  selber entscheiden können, wann sie aus dem Leben scheiden. Wenn ein Leiden unerträglich wird, dann wünschen sich viele Menschen, dass ein Arzt beispielsweise ihr Leben beendet. Die Diskussion um die aktive Sterbehilfe steht uns in Deutschland noch bevor. In den Niederlanden und in Belgien hat man die Aktive Sterbehilfe legalisiert: Das heißt ein Arzt bleibt straffrei, wenn er dem Verlangen des Kranken folgt und seine Sterbehilfe einer Behörde meldet.

Auch bei uns nimmt die Zustimmung zur aktiven Sterbehilfe zu. Laut einer Forsa-Umfrage lehnen lediglich 15 Prozent der Deutschen die Tötung auf Verlangen ab. Bedeutet also Menschenwürde am Ende des Lebens selber über seinen Tod zu entscheiden?

Liebe Gemeinde, ich bin überzeugt, dass die Würde des Menschen in etwas anderem zu finden ist. Lassen sie mich zunächst ein allgemeines, philosophisches Argument vortragen, dann ein seelsorgerliches und schließlich ein theologisches.

Zum ersten: Mir gibt zu denken: Der Philosoph Immanuel Kant, der unnachgiebige Verfechter menschlicher Freiheit, lehnte die Selbsttötung ab. Für ihn gehörte zur Würde des Menschen die Freiheit zur Selbstbestimmung. Doch dies hieß für ihn weder Willkür noch Schrankenlosigkeit, sondern Selbst-Gesetzgebung. Zur Selbst-Gesetzgebung gehört aber auch, die eigenen Grenzen zu respektieren. Die Würde des Menschen besteht in dem Menschen selbst, der sich selbst annimmt und bejaht. Aber die Selbsttötung verneint gerade die eigene Existenz!

Zum seelsorgerlichen: Hier möchte ich fragen, was steht eigentlich hinter dem Wunsch, das Leben selbst beenden zu können, wenn das Leid unerträglich wird. Wenn man Menschen nach den Hintergründen ihres Wunsches fragt, so sagen sie, sie wollen keine Schmerzen leiden und wollen nicht allein sein; sie wollen nicht, dass ihr Leben durch moderne Apparatemedizin künstlich verlängert wird.

Liebe Gemeinde, das wünsche ich mir auch. Aber diesen Wünschen wird doch nicht durch eine Tötung entsprochen! Diesen berechtigten Ängsten mit Tötung zu begegnen ist eine Bankrotterklärung unseres Menschseins. 

Eine Antwort auf diese Wünsche gibt mir das christliche Menschenbild.
Was ist nun also das, was den Menschen auszeichnet?
Wir haben zu Eingang der Predigt Worte aus dem 103. Psalm gehört. Dort heißt es in Vers 14:

Gott weiß, was für ein Gebilde wir sind;

er denkt daran, daß wir Staub sind.

Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,

er blüht wie eine Blume auf dem Felde;

wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da,

und ihre Stätte kennt sie nicht mehr.

Wir Menschen sind vergänglich. Das Leben, das gerade noch blüht und sprosst, kann so schnell dahingerafft werden. Das müssen wir Menschen immer wieder erfahren. Die Vergänglichkeit unseres Lebens erfahren in Krankheit und Leid, in Schmerz und Tod. Daß wir sterben müssen, dass wir dann vergehen müssen, dass es über eines jeden Leben heißen wird „Erde zu Erde, Asche zu Asche und Staub zu Staube“, das gehört zu unserem Leben. Von der Erde, vom Staube sind wir, so haben wir in der Lesung gehört und zu Staub werden wir wieder werden.

Wir Menschen sind endlich. Wer das annimmt, der wird auch Leid und Krankheit eher akzeptieren können. Es gibt kein Recht auf einen selbstbestimmten Tod, aber ein Recht sterben zu dürfen. Das sollen und müssen auch Ärzte akzeptieren. Damit ein Leben nicht künstlich durch High-Tech-Medizin verlängert wird, dafür gibt zum Beispiel die Christliche Patientenverfügung der beiden großen Kirchen. Darin kann ich meinen Willen ausdrücken, dass ich nicht will, dass „lebensverlängernde Maßnahmen an mir vorgenommen werden, wenn ich mich im unmittelbaren Sterbeprozess befinde“. Einen sterbenden Menschen sterben lassen, das ist PASSIVE Sterbehilfe.

Wir Menschen sind vom Staube, sagt die Bibel schon in der Schöpfungsgeschichte. Dort erzählt sie, wie Gott den Mensch zu seinem Ebenbild geschaffen hat. Daraus ersehe ich ein Zweifaches:

Zum Einen: Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Gott ist der Herr, auch der Herr über Tod und Leben. Wir haben uns das Leben nicht selbst gegeben und wir können und sollen es uns nicht selber nehmen. Nein, Gott ist der Herr des Lebens – am Anfang und am Ende des Lebens. Lassen wir also Gott, Gott sein. Und lassen Sie uns, Menschen und Geschöpfe Gottes sein.

Dass Gott der Herr des Lebens und Sterbens ist, das macht mich frei: Frei von den Ansprüchen anderer. Heute wird ein Recht zur aktiven Sterbehilfe eingefordert und morgen ist es eine Pflicht: Dann will die alte, pflegebedürftige Frau ihren Angehörigen nicht zur Last fallen und meint, Sterbehilfe verlangen zu müssen. Die steigende Zahl von alten Menschen erhöht den Kostendruck der Krankenkassen und Pflegeversicherungen. Für die wäre Sterbehilfe, wäre sie erst einmal erlaubt, eine günstige Lösung! Noch sind wir noch nicht soweit, doch seien wir wachsam und achtsam darauf, was wirklich den Menschen auszeichnet. Wenn Gott der Herr des Lebens ist, dann werde ich frei von allen anderen Ansprüchen.

Im biblischen Schöpfungsbericht heißt es: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bild, zum Ebenbild schuf er ihn.“ Gott erschuf den Menschen also zu seinem Gegenüber. Den Menschen zeichnet es aus, ein Gegenüber zu sein und ein Gegenüber zu haben. Zum Menschsein gehört es also gerade nicht „absolut“ und „für sich“ zu sein. Zum Mensch sein gehört das Gespräch. Wir Menschen leben in Beziehung. Wir brauchen Beziehung, um leben zu können, aber auch um sterben zu können. Wir brauchen Menschen, die für uns da sind. Wir leben gut und wir sterben gut, wenn wir in Beziehung sind. Dazu gehört natürlich auch, dass wir abhängig sind. Das menschliche Leben zeichnet sich durch Geben und Nehmen aus. Beides müssen wir zulassen. Dem toughen unter uns sei gesagt, dass auch das Abhängigsein zum Menschsein gehört.

Wir leben und sterben in Beziehung. In Beziehung zu den Menschen, die zu uns gehören.

Darum möchten auch die meisten Menschen zu Hause sterben; betreut von Angehörigen oder Menschen, die sie kennen. Für Gespräch und für Da-Sein steht die noch junge Hospiz-Bewegung. Mit ihr verbunden ist die moderne Schmerztherapie und Palliativmedizin, die die Patienten versuchen schmerzfrei zu stellen.

Gut ist es aber auch, wenn wir leben in Beziehung zu dem, der uns das Leben gegeben hat. Dann ist unser Leben ausgerichtet. Dann hat es einen Sinn und ein Ziel.

Dr. Admiral, ein holländischer Arzt, der schon über hundert Menschen aktive Sterbhilfe geleistet hat, sagt über den Tod: „Und dann kommt nichts, gar nichts. Es gibt keine Existenz nach dem Tod. Das ist das Ende. Das Leben ist zwecklos und sinnlos.“ Liebe Gemeinde, hier haben wir Christen mehr zu bieten. Für uns hat das Leben einen Sinn und ein Ziel. Gott, der mich erschaffen hat, ist und bleibt mein Gegenüber, auch im Tode. Das gibt mir Hoffnung: Gott will es mit mir zu tun haben. Dass der Wille des lebendigen Gottes stärker als der Tod ist, das hat Gott an Jesus Christus gezeigt.

In Jesus Christus wird deutlich, wer der Mensch ist: Das Kreuz zeigt mir: Leiden, Tod und Vergänglichkeit gehören zu unserem Menschsein. Aber der Mensch ist Mensch auf Hoffnung: Er soll auferstehen zu einem Wesen ohne Leid, Schmerzen und Tod, als lebendiges Gegenüber Gottes. Ich möchte den Satz wagen: Nach Ostern ist vor Ostern. Wir leben von dem Ostern Jesu und dürfen unser Ostern, unsere Auferstehung erwarten. Dieser Glaube gibt uns Lebenskraft; Kraft um den Tod, den eignen oder den eines geliebten Menschen, auszuhalten. Er gibt Kraft, um Sterbenden beizustehen.

Wenn wir uns an den Gott halten, der uns das Leben gegeben hat, der es uns wiedernimmt und der uns Hoffnung auf Auferstehung verliehen hat, dann brauchen wir keine aktive Sterbehilfe, sondern Menschen, die uns zur Seite stehen.

Ich komme zum Schluß: Aktive Sterbehilfe widerspricht menschenwürdiges Sterben. Gewiß, sie erspart allen Beteiligten die Mühsal, den Schmerz und manche Qual des gemeinsamen Weges. Aber sie zerstört zugleich ein Stück Solidarität, die Chance, die Endlichkeit und Geschöpflichkeit des menschlichen Lebens anzuerkennen.

Horst Eberhard Richter hat vom Gotteskomplex gesprochen. Da hinein gerät, wer sich als Herr über Leben und Tod aufspielt. „Es ist nicht leicht, Gott zu sein“, lautet der nachdenklich Titel eines Buches von B. und A. Strugatzki. Statt dass wir der Versuchung erliegen, wie Gott zu sein und als Herrgötter gebärden, kommt es darauf an, dass wir Menschen bleiben und Gott Gott sein lassen im Leben und im Sterben. Amen

stellen Sie sich vor, als ich vor einem Jahr in Altheim meinen Dienst begann, hätte jemand zu mir gesagt: „Herr Pfarrer, den Kirchenvorstand können Sie vergessen; das sind alles Pfeifen.“

Liebe Gemeinde, heute kann ich sagen: Recht hat er. Das sind alles Pfeifen; aber was für wundervolle Pfeifen! Unsere frisch renovierte Orgel zeigt uns, wie wunderbar Pfeifen sind. Freilich eine Pfeife für sich ist noch nichts Besonderes. Aber wenn die Pfeifen in das Gesamtwerk einer Orgel eingebaut sind, dann können Sie wunderbare Melodien hervorbringen. Liebe Gemeinde, ich möchte in meiner Predigt die Orgel als Sinnbild für unsere Gemeinde deuten. Ich möchte Sie dabei etwas hineinführen in die Welt der Orgel und der Orgeltechnik.

Das erste sind die Orgelpfeifen. Eine Orgel besteht aus Orgelpfeifen. Bei uns sind es 660 an der Zahl. Unsere Orgel besitzt Pfeifen aus Holz. Andere sind aus einer Metall-Legierung gefertigt. Je nach Holzart und Zusammensetzung der Legierung hat der Ton der Orgelpfeife einen anderen Klang.

Liebe Gemeinde, ist das in unserer Gemeinde nicht auch so? Auch wir sind aus unterschiedlichem Holz geschnitzt. Der eine ist eher ein harter Typ; jemand der zupackt, wenn er gebraucht wird. Eine andere ist eher von feinem Holz geschnitzt. Sie ist eher zart beseidet. Sie kann gut zu hören und hat ein offenes Ohr für die Nöte der Menschen. Wieder eine andere hat eine schöne Stimme, kann schön singen und so sich und anderen eine Freude machen.

Liebe Gemeinde, da dürfen wir nicht alle Menschen über einen Kamm scheren. Die Orgelpfeifen haben verschiedene Größen. Wenn alle gleich hoch und gleich dick wären, dann sähe die Orgel nicht nur langweilig aus, dann könnte man nicht mal eine Melodie auf ihr spielen. Nein, die Orgelpfeifen müssen alle unterschiedlich sein.

Die Bass-Pfeifen, die mit den Füßen am Pedal gespielt werden, sind über 2 Meter groß. Andere sind nur wenige cm klein.

In unserer Orgel ist jede Pfeifen ist nur einmal vorhanden. Und so ist es auch in unserer Gemeinde; da gibt es jeden nur einmal. Da ist jeder wichtig. Da wird jeder gebraucht. Herr Schewe wird uns das an der Orgel einmal demonstrieren, wie das ist, wenn eine Pfeife fehlt. ORGEL

Liebe Schwestern und Brüder, in der Gemeinde wird jeder gebraucht. Da schreiben wir niemanden an. Da sind der 14jährige Konfirmand und die 90jährige Frau ebenso wichtig wie die dynamische Frau Mitte Dreißig.

Wenn man auf die Orgel schaut, dann sieht man fast nur die Prospektpfeifen. Das sind die vorne sichtbaren Pfeifen. Die stellen jedoch nur einen Bruchteil des gesamten Orgelwerkes dar. Sichtbar sind nur 87 von insgesamt 660 Pfeifen. Ähnlich ist das auch in der Gemeinde: Da gibt es die, die immer sichtbar sind, die vorne stehen. Ich denke an den Chorleiter, den Kirchenvorstand und den Pfarrer. Die stehen in der Öffentlichkeit. Die werden bei Veranstaltungen besonders begrüßt. Aber bilden wir uns nichts darauf ein! Ohne die Menschen in der zweiten und dritten Reihe, wären wir alle nichts. Eine Orgel nur aus Prospektpfeifen wäre ein jämmerliches Instrument! Entscheidend ist was dahinter steht. Entscheidend ist, wer hinter uns steht. Das wird bei einem Kirchfest sehr deutlich. Da müssen die Lieder angeschlagen werden; es müssen Zelte aufgebaut und Kuchen gebacken werden. … Auch bei uns gibt es viele Menschen, die im Hintergrund arbeiten. Die sind im Stillen da und es ist gut, dass sie da sind.

Bei unserer Orgel ist es so, dass ganz hinten die großen, tiefen Pfeifen des Subbass stehen. Die sieht man kaum, aber die verleihen einem Orgelstück die Tragkraft und Fülle. Demonstration: Bass-Stimmen. In der Gemeinde denke ich da an die Männer, die im Hintergrund arbeiten; die vielleicht nicht so sehr mit frommen Worten glänzen, die aber mit anpacken, wenn sie gebraucht werden.

Unsere Orgel besitzt auch ganz kleine Pfeifen; sie bringen sehr hohe und feine Töne hervor. Demonstration: Hohe Töne. Oft transportieren gerade die höhen Töne die Melodiestimme. Ohne sie geht es nicht. Liebe Gemeinde, auch bei uns gibt es solche leise und feinen Menschen. Ich denke, an die Frau, die selbst Schweres erlebt hat, die dann auch mit anderen mitfühlen kann. Oder an den jungen Mann, der eher unscheinbar ist und musikalisch hochbegabt ist.

Liebe Gemeinde, sie sehen: IN der Gemeinde wird jede Pfeife, jeder Mensch gebraucht. In der Orgel stehen die Pfeifen in einem sogenannten Pfeifenstock. Das ist ein Brett, das für jede Pfeife einen Platz hat. Da gibt es für jede Pfeife den richtigen Platz. Als wir in Dudenhofen die Kirche renovierten, da hatte der Orgelbauer am Schluss die Orgelpfeifen wieder eingebaut und gestimmt. Nur irgendein Schalk hatte dann einige Pfeifen ausgetauscht. Das war gar nicht witzig. Die Orgel klang gar nicht mehr und der Orgelbauer musste erneut kommen. Mir zeigt das:

Wichtig ist, dass jeder auch den richtigen Platz findet. Die große Subbass-Pfeife passt nicht in den Pfeifenstock des hohen Principal-Registers. Genauso ist das auch in der Gemeinde: Es ist gut, wenn jeder seinen Platz findet. Denn jeder hat seine Begabungen und die kann er in das Gemeindeleben einbringen.

 

2. Die einzelnen Pfeifen bilden das Orgelwerk.

Liebe Gemeinde, ich habe ihnen hier eine Pfeife mitgebracht. Es ist natürlich die, die oben in der Orgel fehlt. Aber keine Angst, ich habe das mit dem Orgelbauer abgesprochen und setze sie auch wieder fachtechnisch ein. Ich möchte Ihnen zeigen, was man mit einer Pfeife machen kann. BLASEN.

Liebe Gemeinde, mit einer Pfeife kann man keine Orgel spielen. „Eine Pfeife macht noch keine Orgel.“ Allein geht es nicht. Eine Orgelpfeife kann kein Solo spielen. Auch das Christsein geht allein nicht. Ohne die Gemeinschaft der Gemeinde fehlt einem Christen etwas. Denn es tut gut, zusammen zu singen und zusammen zu beten. Zum Christsein gehört es auch auf den anderen zu hören. Christsein ist überhaupt nur möglich, wenn ich auf Gott höre. Wir brauchen die Gemeinschaft unter Gottes Wort. Es ist gut, wenn man bei uns Gemeinschaft erleben kann. Zum Beispiel, dass man nach der Kirche noch einmal zusammensteht oder zusammen beim Kirchenkaffe sitzt. Und es ist gut, wenn man zusammen feiert. Da merkt man, dass man zusammen gehört.

In einer Orgel gibt es Pfeifen, die sind häufig zu hören; aber es gibt auch Pfeifen, die werden selten gespielt. In der Gemeinde gibt es auch solche Christen, die man selten sieht. Aber die sollten wir nicht vergessen. Vielmehr sollten wir sie suchen und entdecken.

 

3. Eine Orgel hat verschiedene Register. Ein Register ist eine Reihe von Orgelpfeifen. Bei unserer Orgel gibt es insgesamt 11 Register. Zum Beispiel den tiefen Subbass oder aber auch den hohen Principal. Ein Register kann der Organist ziehen und dann werden die Pfeifen aus dieser Reihe gespielt.

Die Pfeifen eines Registers gehören zusammen. Sie sind alle aus einer Holzart oder einer bestimmten Metall-Legierung und ergeben so eine Klangfarbe. Manchmal sind sie einem anderen Instrument nachempfunden.